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Wortbrücke in die Domgemeinde — 4. Oktober 2026 - Erntedankfest

Einheit, Einigkeit, Dankbarkeit

Am Sonntag feiern wir das Erntedankfest und am 3. Oktober den „Tag der Deutschen Einheit“. Gibt es da Ähnlichkeiten? Für das Ende der zweiten Diktatur auf deutschem Boden im 20. Jahrhundert – ermöglicht durch wirtschaftliche und politische Umstände, herbeigeführt durch viele mutige Menschen, begleitet durch Gebete, und friedlich verlaufen – dafür können wir auch Gott dankbar sein. Und wie wir zu Erntedank singen: obwohl wir pflügen und den Samen auf das Land streuen, so vertrauen wir doch auf Gott für Wachstum und Gedeihen. Denn „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“ Als dieses Lied vor über 200 Jahren geschrieben wurde, bestand zumindest darin weitestgehend Einigkeit. Heute glauben viele eher an die scheinbare Allmacht des Menschen und vertrauen auf die angebliche Allwissenheit der von Menschen gemachten Maschinen. Aber darüber herrscht keineswegs Einigkeit, ganz im Gegenteil. Und was die deutsche Einheit betrifft – die Unterschiede zwischen Ost und West sind auch nach 36 Jahren noch da, das Zusammenwachsen geht langsam und erleidet immer wieder Rückschläge. Wenn ich von „Einigkeit und Recht und Freiheit“ singe, dann denke ich auch an die Worte aus dem Galaterbrief (Kapitel 5, Vers 1), die als Monatsspruch über diesem Oktober stehen: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ Es liegt an uns, ob wir uns die „Freiheit eines Christenmenschen“ (Luther 1520) bewahren oder einschränken lassen. Christ zu sein heißt auch, in allen Menschen Christus zu sehen – und nicht zu vergessen: Jesus selbst war „person of colour“, sicher nicht blond und blauäugig.

Ihre Prädikantin Helga Fiek