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Richard Seewald: „Der Blinde und der Lahme“ (Bildquelle: ZVAB)
 

Wortbrücke 4. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2026

ge-tragen wagen

„Soll ich tragen helfen?“ Jemanden helfen einen schweren Koffer die Treppe hochzutragen gehört zu den „sozialen Basics“ in unserer Gesellschaft. Aber auch das Leben kann sich Menschen oft auch auf die Schultern legen wie eine zentnerschwere Last. Nur – diese sieht man so nicht; man nimmt bei den Betroffenen nur wahr, dass sie eben schwer am Leben tragen. Da hängen die Schultern, da sieht das Gesicht müde aus und die Augen schauen oft durch einen durch. Ja, der ganze Körper wirkt gedrückt und irgendwie gehemmt. Meist wird man diese unsichtbaren Lasten viel schwerer los, als die sichtbaren. Einen Sack Kartoffeln oder einen schweren Koffer, all das kann man abstellen, wenn sie zu schwer werden. Aber die unsichtbaren Lasten? Die werden oft zu einem regelrechten Alltags- und Lebensbestandteil. Gerade deshalb aber tut es gut, wenn man sie nicht mehr allein tragen muss. Wenn jemand mitträgt und die Last auf mehrere Schultern verteilt wird. Und es ist ein Glück, dass das geht: Man kann auch die unsichtbaren Lasten des Lebens von anderen mittragen lassen. Oft hat man ja das Gefühl, das kann ich nur allein; das kann mir niemand abnehmen. Doch ich glaube, das stimmt so nicht. Es gibt keine Last, die andere nicht auch mittragen können. Aber dazu gehört eben auch, dass man sie mittragen lassen muss. Den Mut haben etwas an- oder auszusprechen, vor Gott oder den Menschen. Den Mut haben zu sagen, ich schaffe es nicht mehr allein. Hilfe anbieten und annehmen: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal. 6,2)