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Das Allsehende Auge Gottes, Apsisfenster in St. Eustachius und Agathe, Magdeburg-Diesdorf (Aufnahme: Stehli)
 

Wortbrücke der Evangelischen Domgemeinde Magdeburg zum 16. Sonntag nach Trinitatis – 20. September 2026

„Christus hat dem Tod die Macht genommen“ – 2. Brief an Timotheus 1, 10b

Der obige Vers ist ein Teil des Wochenspruchs für die neubeginnende Woche und beschäftigt sich mit einem Dreh- und Angelpunkt der christlichen Botschaft. Der Tod ist das große Rätsel der Menschheit, das irdische Ziel, auf das wir alle zugehen. Menschliche Erkenntnis und Wissenschaft endet an der Grenze des Todes. Was hinter dem großen Vorhang kommt, ob überhaupt etwas kommt, oder ob der Tod der Endpunkt von unser aller Dasein bleibt, darüber wissen wir aus rein menschlichem Bemühen nichts. Der Tod bringt Trauer, Schrecken, Verlust, Einsamkeit, manchmal aber auch Erlösung aus Krankheit und Qual, und wir mögen uns nicht viel mit ihm beschäftigen, bis wir irgendwann, bei uns selbst oder bei anderen, es tun müssen. Wo das Feld der Erkenntnis aufhört, wo Wissenschaft irgendwann schweigt, beginnt tatsächlich entweder das große Schweigen, die Stille des Endes – oder es beginnt das Feld des Glaubens. Obwohl der Zerfall eines toten Körpers von den Menschen seit Tausenden von Jahren beobachtet wird und zur Kenntnis des nicht wieder zu Bringenden führt, sind Menschen seit sehr langer Zeit auch der Meinung, dass es Hinweise, Spuren, Anzeichen dafür gibt, dass es über das irdische Ende hinaus noch etwas gibt, dass noch etwas kommt. Der Glauben gibt dieser Ahnung festere Vorstellungen, Bilder, Worte, es wird von Zeit und Ewigkeit gesprochen, von Himmel und Paradies, manchmal mit naiv wirkenden Aussagen, manchmal mit gewaltigen Farben einer anderen, neuen Welt.

Unsinn, Vertröstung, Realitätsverweigerung, Stützen gegen die Unausweichlichkeiten der Welt, mehr nicht – so sagen viele, und diese Stimmen haben viel für sich, Erfahrung und Erkenntnis. Und doch hört die Vorstellung vom Leben nach dem Tod, vielleicht noch besser: vom Leben nach diesem Leben nicht auf. Wodurch werden hier ganz sensible Glaubensantennen bei manchen Menschen berührt? Dann mag es heißen: „Es ist ja noch keiner wiedergekommen.“ Nun ja, das ist unsere Alltagserfahrung. Die Heilige Schrift, die Bibel, erzählt einiges über verstorbene Menschen, die durch Gott in Jesus zurückgeholt werden: die kleine Tochter des Jairus, der Sohn der Witwe von Nain, Lazarus aus Bethanien, ein guter Freund des Jesus von Nazareth. Bei ihm wird deutlich unterstrichen, dass er wirklich tot ist, weil seine Leiche nach vier Tagen im Felsengrab bereits stinkt. Reale Todeserkenntnis einerseits, dazu dann aber andererseits die Erfahrung, wieder unter den Lebenden zu sein. Diese Evangeliumserzählungen sind keine medizinischen Berichte, sondern Glaubenszeugnisse. Sie sollen die Vollmacht eines umfassenden, uneingeschränkten Gottes deutlich machen. Sie sind aber Vorzeichen für die ganz einzigartige Erfahrung der Auferstehung Jesu Christi, der nach seinem grausamen Foltertod nach drei Tagen wieder unter den Seinen war. Wie das war, davon sagen uns die Glaubenszeugnisse der Bibel wenig, dass es war, umso mehr! Es ist selbst für die Menschen vor zweitausend Jahren klar, dass Tote grundsätzlich nicht wiederkommen. Und doch hat sich hierauf eine Glaubensbewegung aufgebaut, die ihresgleichen in der endlichen Welt sucht. Das alles nur auf Trug, Betrug und Grabraub aufzubauen, erscheint mir als modernem Menschen zu wenig, die Erfahrungen der Menschen erscheinen zu durchschlagend. Jesus von Nazareth hat zweifach gewirkt: für die endliche Welt hat er die wunderbare Botschaft von Freiheit und Gerechtigkeit, von Frieden und Solidarität aufgestellt, zum Wirken im Hier und Jetzt, und über die Grenzen der Welt hinaus hat er klar gemacht, dass der ewige Tod kein letztes Wort ist, sondern ein Durchgang, eben ein Durchgang vom Leben zum Leben. Christus hat dem Tod die Macht genommen. So sei es, so ist es, so wird es weiter sein!

Stephen Gerhard Stehli, Präses in Magdeburg