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Wortbrücke in die Gemeinde, am 13. Sonntag n. Tr., den 30.08.2026

Ein Schiff im Sturm

„Wer ist denn mein Nächster? fragt der Schriftgelehrte. Jesus kehrt die Frage um: Für wen bist du Nächster? „

Liebe Schwestern und Brüder, dies ist die Kernaussage für diesen Sonntag. Wenn ich an meine allererste Reise ins Heilige Land denke und an die Geschichte des barmherzigen Samariters, sehe ich den Landstrich vor mir, dort wo es geschehen sein soll. Es war sehr warm, überall Sand und Geröll, bergig und unwegsam. Natürlich gab es heute Straßen und in der Einöde erwartete uns ein kleiner Ort mit Informationen, moderner Toilette, und einem schattigen Plätzchen, um innezuhalten und Andacht zu halten. Damals durfte ich dies tun. Ich war ergriffen, weil es so nachfühlbar, diese Gegend, damals unsicher und nicht schnell durchquerbar, einfach kein Ort um als Verletzter am Wegesrand zu überleben. Dieses Gleichnis wählte Jesus, um den Menschen aufzuzeigen, was Nächstenliebe bedeutet.
Nächstenliebe lässt sich nicht in Kategorien einteilen. Nächstenliebe ist eine innere Haltung, die uns befähigt barmherzige Entscheidungen zu treffen.

Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen, die wohl auch Euch passiert sein könnte. Vor 9 Monaten bekam meine 79 jährige Mutter, die bis dahin eine rüstige Rentnerin war und ihr Leben noch wunderbar selbst gestalten konnte, einen Gehirntumor. Eine Ausnahmesituation tat sich auf, wir mussten so viele Entscheidungen treffen. Wir, dass sind wir 3 Geschwister. Klar waren wir emotional und kräftemässig oft völlig überfordert. Wir haben gestritten, wir haben diskutiert, es kamen alte Erinnerungen auf, die längst in den Müll gehörten. Und dann schaust Du auf dein armes krankes Mütterlein und denkst, wie können wir ihr Leben in vertrauter Umgebung retten. Kriegen wir das hin?

Meine Gefühle um diese Sache waren anfangs sehr verwirrend und ich fühlte mich oft ratlos. Ganz viel geben, ohne sich zu überfordern, wo doch schon so viel auf deinen Schultern liegt. Klar kommt sehr schnell der Gedanke, lass das mal die machen, die das können. Doch irgendwie bahnte sich in meinem Inneren etwas an, es wuchs zu einer Entscheidung heran. Nein, wir sind die Nächsten, wir sind Drei, wir haben eine Familie im Rücken und können uns auch Hilfe dazu holen. Lass es uns versuchen, dass wir unsere Mutter in ihrem Zuhause unterstützen und ihr größter Wunsch in Erfüllung geht.

Monate später kann ich nur sagen, Jesus hat recht, Du kannst Dich jeden Tag selbst entscheiden, für wen Du der Nächste sein willst. Dann fühlst Du Dich gut damit, denn Du spürst, es tut Dir und Deinem Nächsten gut. Klar, wir müssen jede Situation genau betrachten und abwägen, was möglich ist. Der Samariter musste am nächsten Tag auch weiter, gab Geld zur Versorgung und versprach auf dem Rückweg wieder nach dem Verletzten zu sehen. Wahrscheinlich fällt es uns leichter, wenn wir Verantwortung übernehmen und nicht wegschauen, in Notsituationen anderer Menschen, egal wie nah sie uns stehen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende,
Ihre Sybille Aumann