Frau Angelico – Fiesole-Altar,
1423 – National Gallery, London;
Quelle: Wikipedia Commons
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Wortbrücke der Evangelischen Domgemeinde zum Allerheiligentag am 1. November 2026
„Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“
(Epheser 2, 19 – Spruch zum Allerheiligentag)
Kennen Sie Heilige? Da fallen Ihnen vielleicht Franziskus von Assisi ein, dessen Todestag sich gerade zum 800. Mal jährt, oder Mutter Teresa, die vor zwanzig Jahren heiliggesprochen wurde. Oder sie denken an die Heiligen, die unserm Dom den Namen geben: Mauritius und Katharina von Alexandrien. Heilige gibt es viele, am Lettner im Dom finden sie gleich vierzehn dargestellt. Kennen Sie persönlich lebende Heilige? Heilige etwa heute auf der Straße? Die gibt‘s doch nicht, für eine Heiligsprechung muss man doch tot sein. Ja, manchmal gib es Menschen, die in bestimmten Situationen zwar (wie) wahre Engel sind, aber Heilige? Das ist doch etwas ganz anderes, Besonderes und Erhabenes. Und überhaupt: Heilige sind katholisch, oder?
Paulus von Tarsus wählt hierzu einen etwas anderen Ansatz: In seinen Briefen, die wir in der Bibel finden, z.B. nach Korinth, Ephesus und Rom, redet er die Adressaten allesamt als „Heilige“ an. Er schreibt an die Heiligen in Rom, in Korinth, in Ephesus. Schriebe Paulus nach Magdeburg, hieße es im „Magdeburgerbrief“ „An die Heiligen von Magdeburg“. Waren die Menschen damals, zumindest vielleicht in den kleinen christlichen Gemeinden, sind sie hier und heute alle so vorbildlich und einwandfrei, dass sie eine solche Bezeichnung verdienen? Sie die Mitglieder etwa der Domgemeinde wirkliche, echte Heilige?
Heilige sind nach Paulus nicht Menschen mit moralisch weitgehend fehlerfreiem oder besonderem, tugendhaftem, vorbildlichem Verhalten, sondern in der biblischen Tradition Menschen, die von Gott in eigener Weise angenommen sind. Das geschah in der Geschichte des alten Israel durch den Abschluss eines Bundes, wie dem am Sinai, wo Gott als Zeichen und Folge die grundlegenden Zehn Gebote für das menschliche Zusammenleben und die Beziehung mit Gott gibt. Im neuen Bund des Christentums wird dieses Verständnis aufgegriffen. Heilige sind alle die Menschen, die in der Botschaft Jesu Christi von Gerechtigkeit und Frieden, von Freiheit und Solidarität in einer Beziehung zu Gott stehen. Anders ausgedrückt: Gott richtet sich in Liebe und Zuwendung an alle Menschen. Alle können in eben dieser besonderen Beziehung „Heilige“ werden. Gott sucht die Menschen, und in ihrem Suchen und Finden von Gott werden die Menschen „Heilige“. Und was tun die Menschen dafür? Sie glauben! Das ist es. Sie nehmen den menschenzugewandten Gott in Jesus Christus, in überwundenem Tod und in unwahrscheinlicher, aber wahrer Auferstehung an. Das sind nach Paulus, nach der Bibel die Heiligen, mit allen ihren Ecken, Kanten, Unzulänglichkeiten und Fehlern, wie sie Paulus weiß. und gleichzeitig mit allen ihren guten, hilfreichen und hoffnungsvollen Ansätzen. Paulus gibt Zuspruch: darin, im Glauben, seid ihr alle, unabhängig von Status oder Herkommen, durch Gottvater, durch Jesus Christus, durch den Heiligen Geist wahrhafte Heilige. Er formuliert aber daraus auch einen Anspruch: handelt nun selbst für die Menschen um euch und für euch selbst diesem besonderen Status entsprechend.
Auf geht‘s, Ihr vielen Heiligen im Magdeburger Dom und darüber hinaus und nicht nur in Magdeburg, nehmt den Zuspruch und den Anspruch an und handelt als wahrhafte Heilige zum Wohl der Welt und damit zur Ehre Gottes!
Stephen Gerhard Stehli, Präses in Magdeburg
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