Darstellung von König David, der die Leier spielt, um 980. Miniatur aus dem Codex Egberti aus der Reichenauer Malschule. Museo Archeologico Nazionale in Cividale del Fruili, Friaul-Julisch Venetien, Italien (steht seit 2003 auf der Liste des Weltdokumentenerbes der UNECSO).
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Wortbrücke zum 14. Sonntag nach Trinitatis (06.09.2026)
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2 = Wochenspruch)
Freimütig gesagt: Worte des Lobes habe ich in den letzten Tagen öffentlich nur selten wahrgenommen; vom Gotteslob war noch weniger die Rede. Vor der Landtagswahl heute in Sachsen-Anhalt machen sich vielmehr Befürchtungen breit und Unsicherheit über die Zukunft breitet sich aus.
In diese Situation hinein werden wir zum Lob aufgefordert: Lobe den Herrn, meine Seele. Aber kann man das Loben fordern? Gibt es Dankbarkeit auf Befehl? In manchen Ohren mag diese Aufforderung harsch klingen. In der Sprache der hebräischen Bibel dagegen klingt sie einladend. Warm ist der Ton; um eine Einladung geht es, nicht um einen Befehl. Am erstaunlichsten ist: Für die Aufforderung zum Loben wird genau das Wort verwendet, das wir üblicherweise mit „segnen“ übersetzen: Segne den Herrn, meine Seele!
Das ist eine überraschende Wortwahl. Segen kennen wir meist nur in einer Richtung: von oben nach unten, von Gott zu den Menschen. Von Gott kann ich gesegnet werden, aber dass ich Gott segne – wie sollen wir uns das vorstellen? Vielleicht ist das weniger verkehrt, als wir zunächst denken. Segnen bedeutet doch, sich einem andern zuzuwenden, Liebe und Güte zu ihm überströmen zu lassen. Der Segen, um den wir bitten und für den wir danken, ist ein Gruß der Liebe Gottes an uns; in ihm strömt Gottes Güte auf uns ein. Gottes Liebe ist auf mich gerichtet, mich selbst krönt er mit Gnade und Barmherzigkeit.
Wie sollte man darauf anders reagieren als dadurch, dass die eigene Seele sich öffnet und etwas von der Liebe und Güte zurückströmen lässt, die wir empfangen? Aus dankbarer Seele kommt es, wenn wir der Einladung folgen: Segne den Herrn, meine Seele. Dazu werden wir eingeladen am Morgen dieses Tages, am Morgen jedes Tages. Ein Gegenprogramm wird verkündet gegen die Haltung des wehleidigen Maulens und des miesepetrigen Kleinmuts. Der große Atem Gottes will uns aufnehmen und dazu helfen, dass wir die Proportionen nicht verkennen. Die Sorgen, die uns beschäftigen, die Unsicherheiten, auf die wir Antworten suchen, sie alle stehen im Rahmen des größten Geschenks, das uns gemacht worden ist: die Welt und wir sind schon gerettet. Unabhängig vom Wahlausgang. Unverzagt und frohen Mutes gehen wir. Miteinander, und er geht mit.
Einen frohen Sonntag und Segen die Fülle für eine gute Woche wünscht Ihnen
Ihr Friedrich Kramer, Erster Domprediger und Landesbischof
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