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Wortbrücke in die Domgemeinde zum 8. Februar 2026,
dem zweiten Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimæ)

Mit allen Sinnen

Der Wochenspruch für die am Sonntag beginnende Woche steht im Hebräerbrief:
„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebr 3,15)

Das Ohr hört und das Herz reagiert – oder hört eigentlich das Herz? Das erinnert mich an die Geschichte „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Da sagt der Fuchs zum Kleinen Prinzen „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Mit dem Herzen hören oder sehen – das setzt die Bereitschaft voraus, auch wirklich aufzunehmen, was Ohren und Augen wahrnehmen. Das Gegenteil ist, die Ohren auf Durchzug zu stellen und mit Scheuklappen an den Augen durch die Welt zu gehen. So, scheint mir, machen es Menschen, die nur noch das hören und sehen wollen, was in solchen Medien und Gruppen herumgereicht wird, mit denen sie inhaltlich übereinstimmen. Dann ist es auch egal, ob das, was da verbreitet wird, der Wahrheit entspricht und Nachprüfungen standhält. Innerhalb der eigenen „Informationsblase“ hält man sowieso alles für richtig.

Mit dem christlichen Glauben inhaltlich übereinzustimmen bedeutet nicht, dass ich ohne nachzudenken alles übernehme, was sich mit dem Etikett „christlich“ schmückt: „wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ Ob es wirklich Gottes Stimme ist, spürt ein Herz, das Gott kennt. Und es gibt ja auch Prüfkriterien wie Menschenfreundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Liebe.

Ein Herz, das gut hinhört, und Augen, die das Wesentliche sehen – die wünsche ich Ihnen.

Ihre Prädikantin Helga Fiek