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(Bildquelle: https://unsplash.com)
 

Wortbrücke zum Sonntag vor der Passionszeit: Estomihi – 15. Februar 2026

„Sei mir ein starker Fels“ (Ps. 31)

Ich denke, ich kenne mich sehr gut mit Felsen aus. Jemand der in der sächsischen Schweiz aufgewachsen ist, einem Felsengebirge, hat in Sachen Fels Kompetenzen entwickelt. Mein Elternhaus steht auf einem Felsen, den man im Keller teilweise sogar gut sehen kann. Der Felsen ist in die Statik des Hauses integriert. Wenn man direkt unter der drittältesten Burg Sachsens aufwächst, die auf einem Bergsporn gebaut ist und in einem Ort lebt, wo der Fels in teilweise schwindelerregenden Positionen, am Hang oder auf einem Gipfel, Gebäuden und Brücken Halt gibt, entwickelt man automatisch ein „Felsvertrauen“. Im Blick auf das Bibelwort, dass ein kluger Mann sein Haus auf Felsen baut, ist mein Heimatort Anschauungsunterricht. Die Häuser, die nicht oberhalb der Elbe am felsigen Hang gebaut sind, trifft es nämlich relativ häufig bei Hochwasser.

Ein Zweites: Sei mir ein starker Fels erhält aber noch einmal eine ganz neue Bedeutung beim Felsklettern. Der Felsen als Weg. Von meinem Neffen, einem Profi beim Klettern, stammt der Satz: „Der Fels gibt mir Feedback“. Wenn ich am Fels nach oben unterwegs bin, sagt er mir ziemlich exakt wo ich hin greifen oder hintreten soll. Mitunter gibt es da keine zwei Meinungen. Sicher ist nur das, was mir der Stein wirklich anbietet. „Sei mir ein starker Fels“ eröffnet auf diesem Hintergrund eine ganz neue Perspektive: Gott ist nicht nur statisch etwas, auf dass ich bauen kann, sondern ich bin ganz nah bei ihm und mit ihm unterwegs, himmelwärts. Und auf diesem Weg gibt er mir Feedback, damit ich Fehltritte vermeide und mich nicht vergreifen kann. Gott lässt mich spüren, wie und wo ich Halt(ung) finde.

Und zum Dritten: Ein ungewolltes „Bibliodrama“, was mir widerfahren ist, möchte ich am Sonntag Estomihi noch mit Ihnen teilen: In den 1990ern war ich mit Jugendlichen drei Wochen in Kanada. Rocky Moutains und natürlich auch Kanu fahren, bis in die Dunkelheit hinein, weil das Camp noch nicht erreicht war. In den Stromschnellen des Red Deer Rivers bin ich nachts mit meinem Kanu gekentert und trieb in der Dunkelheit hilflos im Fluss. Plötzlich tauchte vor mir, mitten im Wasser, ein richtig großer Felsbrocken auf. Dort fand ich Grund und Halt, bis mich nach einer Weile ein anderes Kanu aus der Gruppe aus dem eiskalten Wasser gerettet hat. Sei mir ein starker Fels. Genau so war das damals. Gott als letzter Grund und Halt. Es ist Sonntag Estomihi. Felsen-Fest.

Thomas Lösche – Religionspädagoge