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Wortbrücke in die Domgemeinde — 18. Oktober 2026

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott bei dir sucht: Gerechtigkeit tun, Liebe üben und behutsam (demütig) mitgehen mit deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Im Text klingt an, dass wir oft meinen, gerecht zu entscheiden oder gerecht zu handeln. Das gelingt selten so, dass tatsächlich Gerechtigkeit entsteht. Der Prophet Micha hat von Gott den Auftrag, Unrecht beim Namen zu nennen: Verarmung und Verschuldung bei denen, die den dürftigen Unterhalt als Bauern erwirtschaften. Verlogenheit und verdrehte Wahrheiten bei denen die viel Einfluss im Land haben. Worauf kann man sich noch verlassen? Micha soll drastisch Klartext sprechen in solche Verhältnisse hinein. Ein Leben auf verlässlichen Grund in einer Gesellschaft gibt es nur mit Offenheit und Demut. Mit vielleicht mal ein bisschen weniger Ego, dafür mehr DU und WIR. Ein gutes Leben gibt es nicht ohne echte Teilhabe der vermeintlich Mittellosen und Übersehenen in dieser Gesellschaft. Wie entsteht gutes Leben für alle? Die Antwort lesen wir im Text: sich nach Gottes Wort richten, Liebe üben und demütig sein. Klingt plausibel, oder?

  • Mit Gerechtigkeit ist kein abstrakter Gottesdienst, sondern knallharte Bodenhaftung gemeint – sich um faire Verhältnisse, Ehrlichkeit und den Schutz der Schwachen kümmern.
  • Nicht nur nett sein, wenn es passt, sondern Liebe und Güte als Lebenshaltung kultivieren. Es geht um eine aktive Liebeserklärung an das Miteinander.
  • Kein moralisches Heldentum oder Besserwissen auf dem hohen Ross, sondern das Bewusstsein, dass man selbst nur ein Mensch ist – „auf Augenhöhe“ mit der Schöpfung und im aufrichtigen Kontakt mit Gott.


Regelmäßigkeiten in der gotischen Architektur bilden Gottes gute Ordnungen ab: Sie geben Grund und geben Halt. Sie schenken Nähe und Weite. Sie bieten Schutz und Orientierung.
Thomas Lösche, Religionspädagoge