Foto: Gotthard Demmel
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Wortbrücke zum 2. Sonntag n. d. Christfest, 04.01.2026
Patchwork zwischen Himmel und Erde
In der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel treffen zwei Welten aufeinander; zwei Welten, die wir voneinander zu unterscheiden oder sogar zu trennen gewohnt sind und die hier plötzlich in einer Person, der Person Jesu, zusammenkommen.
Auf der einen Seite ist es eine Episode, wie sie immer wieder bei Eltern und Kindern vorkommen kann, in Jerusalem, in Magdeburg und anderswo.
Ein Kind geht zeitweise verloren, die Eltern suchen es. Eine alltägliche Geschichte. So betrachtet war Jesus ein gewöhnliches Kind, einer von den Jungen aus Nazareth, dem man nicht ansehen konnte, dass er der Sohn Gottes ist, gäbe es da nicht diese außergewöhnlichen Ereignisse.
Auf der anderen Seite steht die Begebenheit im Jerusalemer Tempel. Sie macht aus der harmlosen Episode über den halbwüchsigen Jesus eine hochtheologische Erzählung. Eine Erzählung darüber, dass göttliche und menschliche Wirklichkeit seit Jesus nicht mehr getrennt sind. Nicht zufällig kommen darum zwei „Väter“ in der Geschichte vor. Maria sagt: Dein Vater und ich haben dich gesucht – und Jesus antwortet, er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört. Zwei Väter – Jesus als Sohn Gottes und Sohn Josefs, wahrer Gott und wahrer Mensch –, das ist die Pointe der Erzählung vom zwölfjährigen Jesus im Tempel. Plötzlich berühren sich Himmel und Erde und es wird sichtbar, wie Gott in der Welt anwesend sein will.
Thomas Lösche
Religionspädagoge
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