Magdeburger Dom, an der Tür zum Kreuzgang (Foto: H.Fiek)
|
Wortbrücke in die Domgemeinde zum 15. März 2026, dem vierten Sonntag der Passionszeit (Lætare)
Wo wohnt Gott?
Wir sind mitten in der Passionszeit, kommen gerade bei der „Halbzeit“ an. Der Sonntag Laetare hat seine Bezeichnung (freut euch) nach einem Vers aus dem Jesaja-Buch (Kapitel 66, Vers 10), der an diesem Sonntag auch Predigttext ist:
„Freut euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freut euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.“
Jerusalem war und ist eine ganz besondere Stadt in einem besonderen Land. Dass wir derzeit aus Sicherheitsgründen nicht hinfahren können, macht traurig.
An den Gründen können wir nichts ändern. Wir können aber darauf achten, dass wir in unserem Reden über die Konflikte im Nahen Osten keine wertenden Pauschalbeschreibungen verwenden. Nicht „die“ Menschen eines Landes tragen Verantwortung. Es sind immer die Machthaber, die entscheiden, und die „kleinen Leute“ leiden – selbst wenn auch das schon eine gewisse Pauschalisierung darstellt.
Der Psalm für den Sonntag Laetare lenkt unseren Blick zunächst auch auf Jerusalem – aber dann darüber hinaus: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth.“ (Psalm 84, Vers 1)
Schon der Psalmist bezog „Gottes Wohnungen“ nicht nur auf den Tempel in Jerusalem. Der Beiname Zebaoth im Ersten Testament ist ein Hinweis darauf, dass Gott der Herr ist über alle Engel.
Engel sind überall. Gott ist überall – überall, wo Menschen leben, hoffen, beten.
„Gott wohnt, wo man ihn einlässt,“ heißt es in einer Geschichte von Martin Buber.
Mögen viele Menschen überall auf der Welt Gott einlassen und damit sich auf Gott einlassen. Die Welt könnte gerechter und friedlicher sein.
Ihre Prädikantin Helga Fiek
|