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Wortbrücke in die Domgemeinde – 8. März 2026

Die Gefährtin

Zum Internationalen Frauentag soll an Maria Magdalena erinnert werden.

In den Evangelien wird ein Städtchen namens Magdala am See erwähnt und es ist vermutlich die Heimat der Frau, die Jesus so nahesteht: Maria von Magdalena wird sie genannt, weil sie aus dem Ort stammt. In der Lutherübersetzung wird daraus Maria Magdalena. Ein halbes Dutzend der namentlich bekannten Frauen im Neuen Testament heißt Maria, der Vorname war schon damals sehr beliebt. Dass Maria Magdalena wohl nach ihrer Herkunft bezeichnet wurde und nicht wie zu der Zeit üblich nach einem Mann, könnte daran gelegen haben, dass sie unverheiratet oder bereits verwitwet war.

Sie zog mit anderen Männern und Frauen gemeinsam mit Jesus zwei Jahre durch die Dörfer Galiläas.

Wohl keine andere biblische Gestalt hat im Laufe der Zeit so eine brutale Verwandlung durchgemacht wie Maria Magdalena.

591 nach Christus wurde sie von Papst Gregor als „Hure“ bezeichnet und abgewertet. Über tausend Jahre galt sie in der Westkirche primär als reuige Prostituierte.

Weder im Neuen Testament noch in den apokryphen Schriften findet sich für diese Interpretation irgendein Beweis. Und doch bestimmt sie bis heute das Bild, das sich viele von Maria Magdalena machen.

2016 nach Christus wird sie von Papst Franziskus als Apostelin anerkannt und den Jüngern gleichgestellt. Ihre Würde als Frau wird betont - und als erste Zeugin der Auferstehung gilt es, sie zu ehren.

Das Leben geht in großen Bögen. Und manchmal dauert es sehr lange, bis man rehabilitiert wird. Aber irgendwann wird’s.

Domprediger Jörg Uhle-Wettler