Umkreis von Lucas Cranach d. J., Epitaph für den 1562 verstorbenen Franz Thim,
Mitteltafel: Christus als Sieger über Tod und Teufel, vor 1562 (gemeinfrei)
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Wortbrücke zum Ostersonntag (05.04.2026)
Sie stehen vor Ihrer Haustür, wühlen die Taschen durch – und finden nichts. Der Schlüssel ist weg. Sie haben ihn verloren. Nun kommen Sie nicht mehr in Ihre Wohnung hinein. Das ist schon schlimm genug. Hinzu kommt die Sorge: Was ist, wenn jemand den Schlüssel findet und dazu noch die passende Tür? Der hat dann freien Zugang zu Ihrem Haus. Der kann über Ihr Eigentum nach Belieben verfügen. Er kann heraustragen, was er will. Mancher Dieb, der so Zugang gefunden hat, greift wahllos, was er kriegen kann, andere suchen gezielt nach bestimmten Dingen.
Jesus Christus spricht: Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Gemeint ist hier: den Schlüssel zu Tod und Hölle. Das sind zwei Räume, zu denen Jesus Christus seit seiner Auferstehung freien Zutritt hat. Was will er dort? In diese Räume geht doch niemand freiwillig! Er will dort etwas herausholen. Aus dem einen Raum, dem Raum „Tod“, will er Tote herausholen. Für viele Menschen ist es eine echte Ermutigung im Blick auf ihren eigenen kommenden Tod, dass sie wissen: Jesus Christus hat den Schlüssel zum Tod. Er wird mich dort herausholen. Aber kann ich sicher sein, dass er mich nicht in dem Raum zurücklässt? Wenn ich zu ihm gehöre, kann ich sicher sein. Jesus greift nicht wahllos irgendetwas, sondern sucht gezielt und holt die raus, die ihm gehören. Sie gehören zu ihm, wenn er Sie in der Taufe als sein Kind angenommen hat und Sie an ihn glauben. Sein Eigentum lässt er in dem Raum nicht zurück. Was für ein Trost, wenn der Tod in unseren Alltag einbricht! Der „Osterglaube“ nimmt uns die Angst vor dem Tod.
Und wie ist das mit dem anderen Raum, der Hölle? Gibt es sie überhaupt? So wie es den Himmel gibt, so gibt es auch die Hölle. Himmel ist der Ort, wo Menschen in Gemeinschaft mit Gott und unter seinem Frieden leben, Hölle der Ort, wo Menschen ohne Gott und ohne seinen Frieden sind. Es gibt nicht nur die ewige Hölle, den Ort der ewigen Gottesferne, der fern vom Reich Gottes ist. Schon auf Erden können Menschen Hölle erleben. Hölle auf Erden sind schlimme Verhältnisse, in denen Menschen kaputtgehen und wo es keinen Ausweg zu geben scheint. Jesus hat den Schlüssel zur Hölle, auch zur Hölle auf Erden. Dort wo Menschen nichts mehr tun können, kann Jesus Betroffene herausholen.
Wir wundern uns manchmal über Christen, die den Mut haben, Menschen in ausweglosen Situationen zu helfen oder sich in schreckliche Verhältnisse hineinzubegeben. Sie tun es, weil sie überzeugt davon sind, dass der Auferstandene auch dorthin Zutritt hat und dass es damit keine ausweglosen Situationen in dieser Welt gibt. Das nennen wir „Osterglaube“: Glaube, der seine Kraft zur Tat aus der Auferstehung Jesu schöpft. Lassen Sie sich diesen Osterglauben schenken!
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!
Gesegnete Ostern wünscht Ihnen Ihr Friedrich Kramer, Erster Domprediger und Landesbischof
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