El Greco, Christus segnet (Der Erlöser der Welt), um 1600, Kathedrale von Toledo (gemeinfrei)
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Wortbrücke zum Sonntag Trinitatis (31.05.2026)
Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. (Numeri 6,22-27)
Ein wunderschöner Segenstext und sehr kunstvoll komponiert. Im hebräischen Original umfasst die erste Zeile drei Wörter, die zweite Zeile fünf und die dritte Zeile sieben Wörter. Durch diesen kunstvollen Aufbau bekommt der Text einen besonderen Sprachrhythmus mit einer natürlichen Steigerung und Erweiterung, die in dem dritten Satz ihren Höhepunkt finden. Alles läuft auf das siebte Wort des dritten Satzes hin: Schalom, Frieden. Sieben gilt als Zahl der Fülle und Vollkommenheit, der Ganzheit und Vollendung. Der Quell des Segens, welcher sich in „es segne dich“ zu ergießen beginnt, mündet schließlich in das Meer des Friedens. Es beginnt mit einem intimen Geschehen zwischen Gott und Mensch, von dem schließlich der umfassendste Frieden ausgeht, der Glück, Wohlsein, Wohlstand, Zufriedenheit, geordnete Verhältnisse und Gewaltlosigkeit, messianisches Heil und Gerechtigkeit und Frieden mit allen alten Feinden einschließt.
Ein gutes Wort einander sagen im Vertrauen darauf, dass so ein Wort wirkt und tut, was es sagt. Das ist der Sinn des hebräischen Wortes „barak“ oder des griechischen Wortes „eulogein“. Segnen bedeutet etwas Gutes sagen. Lateinisch: benedicere. Und jemanden segnen heißt etwas Gutes über jemanden oder zu jemandem sagen. Und das kann übrigens jeder und jede! Das ist nichts, was den Geistlichen vorbehalten wäre. Wenn von dem priesterlichen Segen hier im vierten Buch Mose die Rede ist, dann bedeutet das nicht, dass das Segnen allein die Aufgabe der Priester wäre, aber es ist ihre Aufgabe. Mose gab den Segen von Gott an Aaron und seine Söhne weiter: Wenn ihr segnet, dann so: Der Herr segne dich und behüte dich. Mit dem Priestertum aller Getauften wird dies zur Aufgabe für jede und jeden! Und wir dürfen und sollen dies immer wieder tun, einander segnen. Eltern sollen ihre Kinder segnen, z.B. morgens vor dem Weg in die Schule, Kinder ihre Eltern, wenn sie ins Bett gehen, die Liebenden sich gegenseitig und auch der Segen unter Freunden, ja sogar Fremden eröffnet Räume des Schalom.
Gottes Segen ist tragender Boden gegenüber aller Bodenlosigkeit. Er erweist sich als Friedenskraft gegen alle Feindbilder. Ein Fluch dagegen zerstört Leben. Die ganze Geschichte des Volkes Gottes lässt sich ordnen nach dem Schema von Segen und Fluch: Da wo Menschen einander segnen, kann Leben gedeihen, wo sie einander verfluchen, herrscht Krieg und Gewalt und Leben wird vernichtet. Gottes Segen ist nicht exklusiv, Gottes Segen ist nicht nur für mich und meine Familie, meine Freunde da. Er ist umfassender, weiter, stärker. Er kann Misstrauen und Feindschaft überwinden, so dass Versöhnung möglich wird. Und so segnet Gott unser Miteinander über alle unsere Grenzen hinweg. Gott sagt: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
Hungrige werden satt. Einsame finden offene Ohren. Feinde versöhnen sich. Verzweifelte schöpfen Mut. Gottes Segen breite sich unter uns und mit uns aus.
Das wünscht sich Ihr Friedrich Kramer, Erster Domprediger und Landesbischof
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