Michel Lasne (* vor 1590-1667), Zachäus der Zöllner, Kupferstich, 1650 (gemeinfrei).
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Wortbrücke zum 21. Sonntag nach Trinitatis (25.10.2026)
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.
(Römer 12,21 = Wochenspruch)
Das Böse durch das Gute kleiner machen – davon lese ich bei Jesus und auch im Römerbrief. Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom. Er ermahnt die Christen dort: „Hasst das Böse, hängt dem Guten an.“ Für Paulus ist das das entscheidende Merkmal des Christseins. Christen hängen dem Guten an. Christen sollen Böses nicht mit Bösem beantworten. Christen sollen es genau umgekehrt machen: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Überwinde das Böse mit Gutem: was für eine schwierige Aufforderung. Selbst wenn uns übel mitgespielt wird und uns Böses widerfährt, sollen wir Böses nicht mit Bösem vergelten. Das ist nicht leicht, aber wichtig, denn auch das Böse ist ansteckend. Ansteckend ist die Wut, die mir entgegenschreit. Ansteckend ist die Ablehnung, die mir jemand zeigt. Ansteckend ist auch die Gewalt, die mich umgibt.
Ansteckend ist aber auch das Gute. Denn Erwartungen sind mächtig. Erwarten wir Gutes, wird sehr wahrscheinlich Gutes dabei herauskommen. Sehen wir eine Person als liebenswert und klug und talentiert an, so formt das unseren Kommunikationsstil. Wir begegnen der Person zugewandt, aufmerksam und erwartungsvoll. Diese positive Zuwendung wiederum setzt in der Person Kräfte frei, die Gutes bewirken. Pygmalion-Effekt wird dieser Zusammenhang von guter Erwartung und gutem Ergebnis genannt. In diesem Sinne kann das Gute anstecken.
Und während ich so darüber nachdenke, entsteht vor meinem inneren Auge ein Maulbeerbaum. In diesem Maulbeerbaum erkenne ich Zachäus. Ich sehe, wie Zachäus in die Krone hinaufklettert. Es sieht so aus, als hielte er Ausschau nach einem Ausweg. Und da höre ich auch schon Worte in der Sprache der guten Erwartung. Ich höre Jesu Worte: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Und die Aktion „Zachäus-komm-wir-essen-zusammen“ gelingt: Zachäus steigt eilend vom Baum herunter und empfängt den Neuanfang mit offenen Armen. So ansteckend kann das Gute sein.
Einen frohen Sonntag und Segen die Fülle für eine gute Woche
wünscht Ihnen
Ihr Friedrich Kramer, Erster Domprediger und Landesbischof
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