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Heinrich vor Canossa – Gemälde von Eduard Schwoiser 1962 (Wikipedia)
 

Wortbrücke der Evangelischen Domgemeinde Magdeburg – 25. Januar 2026

„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“
(Lukas 13, 29 – Wochenspruch zum 3. Sonntag nach Epiphanias)

25. Januar 1077 – von Norden kam der deutsche König Heinrich IV., von Süden Papst Gregor VII., auf der Burg Canossa in Norditalien trafen die beiden aufeinander, und gemäß zeitgenössischer Überlieferung saßen sie etwas später auch zusammen zu Tisch. Es war aber kein fröhliches Abendessen, sondern eine Begegnung voller Spannung zwischen zwei machtbewussten Politikern in einer Zeit, in der kirchliche und weltliche Macht eng verquickt und verbunden waren. König Heinrich, u.a. wegen der selbständigen Ernennung von kirchlichen Würdenträgern exkommuniziert, wollte diesen machtgefährdenden Makel loswerden, Papst Gregor seine kirchliche Gnade sich nicht billig abkaufen lassen.

Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Alpha-Tieren, knallharter Macht und der Frage nach dem Seelenheil. Ob der König wirklich, im Büßergewand und dennoch stolz, barfuß im Schnee vor den päpstlichen Gemächern stand, ist vielleicht eine Ausschmückung des 19. Jahrhunderts – das Ringen von Staat und Kirche um die Macht war ernst und echt. – Schnell vorwärts vom 11. ins 21. Jahrhundert: im freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat scheint die Frage geklärt: kirchliche Positionen können nicht über staatlichem Recht stehen, Kirche und Staat sind und bleiben getrennt, Gewissensentscheidungen werden geachtet, die Kirche spielt in der Gesellschaft ganz und gar nicht ohne Bedeutung in vielen Feldern mit, sie ist aber trotz großer Geschichte ein Player unter vielen, global vielleicht, aber nicht übergeordnet. Dieses abgesicherte Miteinander ist das Ergebnis langen Ringens, und die persönliche Freiheit in religiösen Dingen ist für die Menschen ein hohes Gut, das geschützt werden muss. – Denn auch heute ist die persönliche wie institutionelle Religionsfreiheit in vielen Teilen der Welt gefährdet, und oft gab es diese Freiheit ja noch nie in dem Maße, wie wir sie aus Europa kennen.

Einerseits ist religiöse Verfolgung an der Tagesordnung in vielen Ländern – und das Christentum erlebt die stärksten Bedrohungen –, andererseits beanspruchen Religionsführer nicht nur im Iran absolute politische Macht, oder sie machen sich mit autokratischen Staatsstrukturen gemein wie in Russland. Aber auch in freien und demokratischen Ländern gerät das ausgewogene Verhältnis von Glaubensgemeinschaften und staatlichen Institutionen aus dem Lot, so auch durch aggressive Verdrängung von Glauben an den Rand und aus dem täglichen Leben. – Was heißt das nun für die Christenmenschen und andere Glaubende in einer Stadt wie Magdeburg, wo Kirchenmitgliedschaft sehr gering ist? Es bedarf des Selbstbewusstseins wie der Gelassenheit. Der Staat muss Glaubens- und Gewissensfreiheit aktiv schützen, aber er kann nicht verlangen, dass Religion und Kirche nur im nichtöffentlichen, privaten Umfeld stattfinden. Niemand darf zu religiösen Handlungen gezwungen oder genötigt werden, aber Kirche und Glaube haben einen Anspruch auf öffentlichen Raum und öffentliche Sichtbarkeit. Religionsfreiheit ist nicht nur Freiheit vor Religion und Vereinnahmung, sondern eben auch Freiheit zur Religion und Äußerung derselben. An dieser Freiheit, die das Innere des Menschen und sein Gewissen berührt, misst sich auch die Stärke des demokratischen Rechtsstaats.

Achten wir als glaubende und nicht glaubende Menschen das nicht gering: demokratische Freiheiten jeglicher Art sind momentan in unserer Welt stark gefährdet und bedroht, und mit der Religionsfreiheit wird oft gleich die Meinungsfreiheit als solche bedrängt und bekämpft! Und wir Christenmenschen? Bekennen wir unsern Glauben an Frieden und Gerechtigkeit, an Freiheit und Solidarität durch die Botschaft Jesu Christi in dieser Welt und mit Verheißung über diese Welt hinaus offen, frei und selbstverständlich! Erzählen wir in allem Respekt voreinander von der großen Befreiung durch Bergpredigt und Seligpreisungen, durch Weihnachten, Ostern und Pfingsten, durch eine gute, menschliche wie göttliche Frohe Botschaft, die allen Menschen gilt! Bewahren wir unsere Freiheit und verteidigen wir sie als ein Geschenk Gottes wie des menschlichen Ringens! Dann muss niemand mehr nach Canossa, und alle, wirklich alle, können jetzt und einst zu Tisch sitzen im Reich Gottes!

Stephen Gerhard Stehli, Präses in Magdeburg




  

Sonderführung

„Der Angriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 und die Folgen für den Magdeburger Dom“

Die Domgemeinde bietet anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs eine Sonderführung mit dem Zeitzeugen Rolf Schrader an.

Datum:
Beginn:
Treffpunkt:
Preise:
Montag, 02.02.2026
16 Uhr
Büchertisch im Dom
Analog zu den Öffentlichen Führungen



  

Neue Aktion für die Dom-Orgeln

Prospekt-Sanierung der Paradiesorgel

 Flyer zur Aktion als PDF-Datei

Mit der neuen Initiative bittet der Verein Domorgeln Magdeburg e. V. um die tatkräftige Unterstützung beim letzten Schritt der Sanierung der Orgellandschaft des Magdeburger Doms – der Prospekt-Sanierung der Paradiesorgel im Querhaus des Domes.

Diese schöne neobarocke Chororgel ist nun über ein halbes Jahrhundert vielfältig im Dom erklungen und soll für die nächsten 50 Jahre ihres Gebrauchs im optimalen klanglichen und baulichen Zustand als Instrument eigenen Charakters zur Verfügung stehen. Dafür wird vor allem um die Übernahme von Prospektpfeifenpatenschaften oder um gezielte Spenden (in beliebiger Höhe) für das letzte Orgelbauvorhaben gebeten!

Weitere Informationen sind dem zugehlörigen Flyer zu entnehmen.


Geistliches

Während der Predigt wird sonntags ein Kindergottesdienst angeboten.

» Weitere Gottesdiensttermine

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Gottesdienst

Sonntag, 25. Januar
3. Sonntag nach Epiphanias
10.00 Uhr Remter

PREDIGTGOTTESDIENST
mit den Dombläsern

Domprediger
Jörg Uhle-Wettler

Gottesdienst

Sonntag, 1. Februar
Letzter Sonntag nach Epiphanias
10.00 Uhr Remter

ABENDMAHLSGOTTESDIENST
Landesbischof
Friedrich Kramer

Gottesdienst

Sonntag, 8. Februar
Sexagesimæ
10.00 Uhr Remter

PREDIGTGOTTESDIENST
Leiterin der Telefonseelsorge Pfarrerin Ute Mertens

Gottesdienst

Sonntag, 15. Februar
Estomihi
10.00 Uhr Remter

ABENDMAHLSGOTTESDIENST
mit den Dombläsern

Superintendent
Stephan Hoenen


Dom-Musik

» Weitere Informationen

Orgelkonzert

Sonntag, 22. Februar
Invocavit
16.00 Uhr – Remter

Passions-Konzert I

Anna Scholl (Halle, Marktkirche)
Werke von Vincent Lübeck, Dieterich Buxtehude und
Joh. Sebastian Bach

Orgelkonzert

Sonntag, 1. März
Reminiscere
16.00 Uhr – Remter

Passions-Konzert II

Yoichi Yamashita, 1. Konzertmeister der Magdeburgischen Philharmonie, Violine
Christian Otto, Domorganist
Werke von Tomaso Vitali, Johann Sebastian Bach und Joseph Gabriel Rheinberger

Orgelkonzert

Sonntag, 8. März
Oculi
16.00 Uhr – Remter

Passions-Konzert III
„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel“

Stefan Adam (Hannover), Bariton
Dieterich Modersohn (Jena), Orgel
Werke von Brahms, Dvořá und Liszt

Konzert

Sonntag, 29. März
18.00 Uhr – Remter

Johann Sebastian Bach:
Johannespassion

Solistinnen und Solisten,
Magdeburger Domchor,
Märkisch Barock,
Christian Otto