

Hildegard von Bingen, Albert Schweitzer, Sebastian Kneipp. Drei Heilkundige, die aus christlicher Überzeugung für die Gesundheit der Menschen wirkten.
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Wortbrücke – 12. Sonntag nach Trinitatis – 7. September 2025
Liebe Schwestern und Brüder,
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, da mischen sich in die lange Reihe der Trinitatissonntage im Kirchenjahr die ersten „Herbstthemen“ in den Gottesdienst. Der 12. Sonntag nach Trinitatis widmet sich dem Thema „Krankheit“. Die Begegnung mit Krankheiten gehört zur religiösen Grunderfahrung der Menschen. Sie kann den Glauben erschüttern oder auch neu nach Gott fragen lassen. Heilung und Heil lassen sich nicht auseinanderreißen. Die mentalen Kräfte, um die es in der Religion geht, haben einen großen Einfluss auf Heilungsprozesse. Heilung im geistlichen Sinn bedeutet aber nicht unbedingt "gesund werden". Es kann auch heißen, seinen Frieden zu machen mit der Krankheit, der eigenen Verletzlichkeit und Gebrechlichkeit, die zum Leben gehört.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass religiöse Überzeugungen und Praktiken, die in etablierten religiösen Traditionen verwurzelt sind, durchweg mit einer besseren Gesundheit verbunden sind. Menschen die in spirituellen Gemeinschaften leben (z.B. Nonnen, Mönche) leben gesünder und werden älter als Vergleichsgruppen. Maßgeblich ist u.a. ein regelmäßiger Alltagsrhythmus von Anstrengung und Kontemplation. Kneipp leitet daraus seine sog. „Ordnungstherapie“ ab.
In Jesus von Nazareth begegnet uns ein charismatischer Heiler. Die Menschen kamen an die Orte, an denen er öffentlich lehrte. Wenn Jesus vom Leben mit Gott und vom Heil erzählte, dann legten die Menschen ihm die eigenen, oftmals unheilvollen Erfahrungen und Leiden ans Herz. Manche wurden in der Begegnung mit ihm gesund. Jesus löst Blockaden, führt aus sozialer Isolation heraus. Einsamkeit und soziale Isolation, sind bekanntlich so schädlich wie übermäßiger Alkoholkonsum, rauchen und Bewegungsmangel zusammen.
Begegnung mit Gott, bedeutet aber nicht automatisch Gesundheit. Paulus wird vor Damaskus blind, Jakob geht aus dem Kampf mit Gott mit einer lahmen Hüfte hervor. Paulus spricht in 2. Kor.12,7 beispielsweise davon, dass ihn eine dauerhafte Krankheit in Demut hält und vor Überheblichkeit schützt. Scheinbar ein Paradoxon: Krankheiten können wichtig sein für die positive Entwicklung eines Menschen, sie können aus einer Bahn werfen, die in Sackgassen führt, sie können zurecht rücken zu neuer Ordnung.
Thomas Lösche, Religionspädagoge
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