
Sommersonnenuntergang in London, Ende Juli d.J.
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Wortbrücke der zum 9. Sonntag nach Trinitatis – 17. August 2025
„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Wochenspruch Lukas 12,48)
Auch wenn die hohen Temperaturen und heißen Tage nach einem durchwachsenen Juli etwas anderes für wünschenswert erscheinen lassen: mit dem Ende der Schulferien ist auch in Sachsen-Anhalt und in Magdeburg der spätsommerliche Alltag eingekehrt. Wir müssen uns mit Arbeitsstelle, Unterricht, Büro und auch dem fordernden Ehrenamt wieder auseinandersetzen. Die Familie und die Menschen um uns fordern uns, und auch wenn wir gut vorbereitet und organisiert sind, so merken wir, dass das Leben im Regelfall anstrengend ist, und dieses eben nicht nur wegen der Hitze. Umso mehr gilt dieses, wenn wir eingeschränkt in unseren Abwehrkräften sind, aus inneren und äußeren Gründen weniger gut organisiert, wir unterstützungs- und hilfsbedürftig sind. Und dann sagt uns der Wochenspruch: „Bei euch wird man suchen, von euch wird man fordern.“ Das macht schon von vornherein müde, und das in einer Zeit, die uns und unsere Aufmerksamkeit immer mehr beansprucht mit so vielem, dem wir nicht entgehen können. Wäre da nicht ein bisschen Aufmunterung hilfreicher?
Nun, der christliche Glaube kann, das wissen wir, viel Zuversicht und Freude verbreiten, Fröhlichkeit erzeugen und darin Resilienz ermöglichen. Aber die Gemeinschaft der Glaubenden ist kein reiner „Gute-Laune-Verein“, sondern eine Option für alle Lebenslagen, und zwar besonders auch die schwierigen. Überlesen wir bitte nicht die ersten Teilsätze des Wochenspruchs: „Viel gegeben, viel anvertraut“. Was ist das Viele? Eine persönliche Verbindung zu Gott, ein persönliches Gegenüber zum Austausch in jeder Situation, die Gewissheit, dass Gott präsent ist und diese Präsenz gerade auch Jesus Christus mit seiner Lehre und seinem Leben sichtbar macht, Liebe, aus der und in der glaubende Hoffnung begründet sein kann und vieles mehr. Das ist schon eine ganze Menge, da sind Orientierung und Erholung in einer so schwierigen Welt drin. Aber die Menschen müssen hiervon erfahren, dass es im Alltag genau diese Möglichkeit aus dem Glauben gibt. Daher sind wir Christenmenschen aufgefordert, das, was wir erfahren haben, was uns gegeben ist, was uns anvertraut ist, weiterzugeben. Auch das ist suchen und fordern. Und manchmal müssen wir uns auch selbst neu vergewissern, dass das, was wir erfahren und erhalten haben, auch wirklich noch gilt. Weil Zweifel und Glaube so nahe beieinander sind, helfen spirituelle Orte wie unser Dom, Richtung zu finden. Aus einer Kathedrale wird so ein Kompass fürs Leben, den wir zu lesen lernen.
Der große Prophet Jeremia hielt sich für zu jung zur Predigt, und Gott sagte gerade ihm „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir“. Der große Völkerapostel Paulus durfte lernen, dass er sich nicht durch die Sorgen der Vergangenheit über Gebühr binden lassen sollte, dass nicht Herkunft und Vorbildung entscheidend sein sollen, sondern das Streben zum Neuen, Guten mit Gott: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist.“ Jesus lehrt uns, verborgene Schätze im Acker des Alltags zu suchen – und zu finden. Das sind alles Aspekte der Bibeltexte dieses Sonntags. Wir können darin auch für uns selbst vieles finden und daraus manches erbitten, und es wird uns helfen, wenn bei uns gesucht und von uns gefordert wird. Auf, also, auch in die Verpflichtungen und Anstrengungen des alltäglichen Lebens: wir sind dabei nicht allein! Gott hat es uns und allen Menschen zugesagt und versprochen, wir dürfen uns darauf verlassen!
Herzliche Sommerwünsche, Ferienwünsche, Alltagswünsche,
Ihr Stephen Gerhard Stehli, Domgemeindekirchenratsvorsitzender
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