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Bildquelle: Freepik
 

Wortbrücke der ev. Domgemeinde Magdeburg, 7. Sonntag nach Trinitatis, 3. August 2025

Am 7. Sonntag nach Trinitatis wird das Abendmahl thematisch in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gestellt. Es sollte nicht verwundern, wenn wir im Neuen Testament viele Geschichten finden, wo es um Essen und Brot geht. Wichtige Feste und Rituale im Judentum sind geprägt vom Brot und von einer gemeinsamen Mahlzeit. Der Geburtsort Jesu heißt „Haus des Brotes“ („Beit Lechem“ - Betlehem). Deutscher Name vielleicht „Brothausen“.

In den Wundergeschichten Jesu, wo es um die Speisung von tausenden Menschen geht, steht nicht das reichliche Essen im Mittelpunkt, auch nicht der moralische Appell zu teilen, sondern die Erfahrung des Vertrauens. Wer bereit ist wegzugeben, was man hat, bekommt auch etwas zurück. So wie das Volk Israel in der Wüste vom göttlichen Manna lebte, einer Speise, die verdarb, wenn man sie sammelte, sich aber doch an jedem Tag aufs Neue finden ließ (2.Mose 16).

Bei anderen Mahlzeiten Jesu geht es mehr um die Überwindung von Grenzen (z.B. die Zachäusgeschichte, Lk 19,1-10). Wie Essen etwas Verbindendes haben kann, so kann es auch genutzt werden, um Menschen auszugrenzen. Auch das hat es in den Religionen immer gegeben: Man denke nur an die fortdauernden Abendmahlsstreitereien der christlichen Konfessionen, die dem heiligen Geist widersprechen. Jesus aß bewusst mit den Menschen, mit denen sich ansonsten niemand an einen Tisch setzen wollte. Das Abendmahl hat viele Aspekte. Jesus vermachte seinen Jüngern ein "Erbe", indem er sie aufforderte: "Solches tut, so oft ihr´s trinket, zu meinem Gedächtnis!"

Damit meinte er nicht nur, dass man gelegentlich in der Kirche ein geheimnisvolles Opferritual feiern soll. Es geht um etwas ganz Einfaches, auf das zum Beispiel auch die Sitte des Tischgebets abzielt. Es geht darum, durch eine vertiefte Wahrnehmung das alltägliche Essen als einen Spiegel unseres Lebens zu erfahren. Immer wenn ihr euch hinsetzt, um zu essen: Macht euch bewusst, dass ihr alle von Gottes Güte lebt, und teilt euer Leben mit anderen.

Thomas Lösche, Religionspädagoge